Kaum ein deutscher Medienmanager hat die Fernsehlandschaft der Bundesrepublik so nachhaltig geprägt wie Georg Kofler. Als Gründungschef von ProSieben baute er einen jungen Privatsender zu einem der erfolgreichsten Fernsehunternehmen Europas aus, als Chef von Premiere führte er den angeschlagenen Bezahlsender durch die Kirch-Pleite zurück an die Börse. Danach erfand er sich ein weiteres Mal neu: als Unternehmer in der Energiebranche und als Investor, den Millionen Zuschauer aus der Vox-Gründershow „Die Höhle der Löwen“ kennen. Der Weg dorthin begann denkbar bescheiden – als Sohn eines Südtiroler Holzfällers.
Dieser Artikel zeichnet die Karriere des Managers und Investors nach: von seiner Herkunft in Südtirol über die ProSieben- und Premiere-Jahre bis zu seinen heutigen Aktivitäten als Unternehmer, Investor und öffentlicher Redner. Alle Angaben stützen sich auf belegte Quellen; wo Fakten nicht zuverlässig öffentlich dokumentiert sind, wird das ausdrücklich gekennzeichnet.
Georg Kofler im Überblick
| Feld | Angaben |
|---|---|
| Vollständiger Name | Georg Jakob Kofler |
| Geboren | 26. April 1957 |
| Geburtsort | Bruneck, Südtirol (Italien) |
| Nationalität | Italienisch (Südtirol) |
| Akademischer Grad | Dr. phil. (Publizistik und Kommunikationswissenschaft, Universität Wien, 1983) |
| Beruf | Manager, Unternehmer, Investor |
| Bekannt als | Gründungschef von ProSieben, Sanierer von Premiere, Investor bei „Die Höhle der Löwen“ |
| Wichtige Stationen | 1988–2000 ProSieben (Gründungsgeschäftsführer/Vorstandsvorsitzender); 2000–2002 H.O.T. Networks AG; 2002–2007 Premiere (Vorstandsvorsitzender); seit 2007 Unternehmer und Investor (Kofler Gruppe, Kofler Energies, Social Chain) |
| Familie | Zwei Söhne aus erster Ehe; eine Tochter; seit Oktober 2024 verheiratet |
| Vermögen | In öffentlichen Quellen nicht verlässlich dokumentiert |
Kindheit in Südtirol: Vom Holzfällersohn zum Stipendiaten
Georg Kofler wurde am 26. April 1957 in Bruneck in Südtirol als Sohn eines Holzfällers geboren. Sein Vater war zu Beginn der 1960er Jahre als Arbeiter zu Mannesmann nach München gegangen und starb kurz darauf. Mit vier Jahren war Georg Kofler damit Halbwaise. Seine Mutter Kreszenz Kofler („Zenzi“), geborene Gatterer, ernährte die Familie fortan als Fabrikarbeiterin.
Der Verlust des Vaters und die bescheidenen Verhältnisse prägten Koflers Aufstiegswillen. Er erhielt ein Stipendium am Knabenseminar Vinzentinum in Brixen. Neben seiner Matura verdiente er sich sein Taschengeld als Chefspüler im Hotelgewerbe, als Skilehrer und als Ofenwerker in der Aluminiumhütte Töging am Inn – eine frühe Arbeitsethik, die ihn durch seine gesamte Karriere begleiten sollte.
Ab 1976 studierte Kofler Publizistik und Kommunikationswissenschaft in Wien und promovierte 1983 zum Dr. phil. Seine Dissertation trug den Titel „Das Europäische Parlament und die öffentliche Meinung“. Danach arbeitete er zunächst als Assistent des ORF-Intendanten Gerd Bacher und später als Assistent und Büroleiter von Leo Kirch – des Mannes, der in den 1980er Jahren mit seinem Film- und Fernsehkonzern die deutsche Medienlandschaft maßgeblich formte. Die Nähe zu Kirch wurde zum Türöffner für Koflers spätere Karriere.
Der ProSieben-Pionier: Ein Privatsender wird zur Marke
Gründungsgeschäftsführer ab 1988
1988, mit nur 31 Jahren, übernahm Georg Kofler die Geschäftsführung des damals neu gegründeten privaten Fernsehsenders ProSieben. Am 1. Januar 1989 ging der Sender – damals noch unter dem Namen „Pro 7“ – aus dem Programm Eureka TV hervor und sendete täglich neun Stunden aus München. Der Sender startete mit gerade einmal 70 Mitarbeitern und erreichte nach eigenen Angaben zunächst 2,44 Millionen Zuschauer.
Unter Koflers Führung wuchs ProSieben rasant. Bereits 1990 zählte das Unternehmen 120 Mitarbeiter, der Sender zog von Schwabing nach Unterföhring um, erhielt über den Satelliten Astra 1A eine deutlich größere Reichweite und sendete ab Oktober 1990 rund um die Uhr. Kofler formte ProSieben mit einem jungen, amerikanischen Programmprofil – Spielfilmen, Serien und eigenwilligen Formaten – zu einer klaren Marke im deutschen Fernsehen.
Börsengang und weitere Gründungen
Ein Meilenstein war der Börsengang der ProSieben Media AG im Juli 1997 – der erste große Börsengang eines privaten deutschen Medienkonzerns. Kofler entwickelte den Sender konsequent weiter und brachte in den 1990er Jahren weitere Unternehmungen auf den Weg: 1992 den Sender kabel eins, 1995 mit H.O.T. Teleshopping (später HSE24) das Teleshopping nach Deutschland und in weitere europäische Länder, im Jahr 2000 den Nachrichtensender N24.
Bis zum Jahr 2000 blieb Kofler an der Spitze von ProSieben – zunächst als Geschäftsführer, später als Vorstandsvorsitzender. Die Fusion von ProSieben mit Sat.1 zur ProSiebenSat.1 Media AG im Jahr 2000 vollzog sich ohne ihn: Kofler wechselte im Jahr 2000 als Vorstandsvorsitzender zur H.O.T. Networks AG (ab 2001 HSE24), dem Teleshopping-Unternehmen, das er einst mitbegründet hatte.
Premiere: Sanierung am Abgrund
Übernahme in der Kirch-Krise
Im Februar 2002, nur kurz vor der Insolvenz der Kirch-Gruppe, übernahm Georg Kofler die Geschäftsführung von Premiere World – dem Pay-TV-Unternehmen des Kirch-Konzerns – und benannte es als eine seiner ersten Amtshandlungen wieder in Premiere um. Die Ausgangslage war dramatisch: Die Vorgänger Premiere und DF1 hatten jahrelang Verluste geschrieben, insgesamt waren bis Anfang 2002 nach Koflers eigenen Angaben rund vier Milliarden Euro verloren gegangen.
Die Kirch-Pleite traf Premiere unmittelbar: Im Mai 2002 musste die KirchPayTV-Holding, der direkte Gesellschafter von Premiere, Insolvenz anmelden. Die Insolvenz von Premiere selbst konnte nach Angaben der Wikipedia-Biografie von Georg Kofler nur knapp verhindert werden – unter anderem mit Hilfe der Bayerischen Landesbank und der HypoVereinsbank.
Kostensenkung, Wachstum, Börsengang
Kofler begann mit einer radikalen Sanierung: Die jährlichen Kosten von ehemals 1,8 Milliarden Euro wurden nach seinen Angaben halbiert, die Kündigungsquote sank, neue Mitarbeiter wurden eingestellt. Bis Oktober 2003 sollte ein neues Verschlüsselungssystem die bis dahin verbreitete Schwarzseherei mit kopierten Smartcards unterbinden. Das Unternehmen wuchs wieder: Rund 820 Millionen Euro Umsatz im Vorjahr, mehr als 900 Millionen Euro im laufenden Jahr und ein angestrebtes EBITDA von 80 Millionen Euro – so seine Ziele auf einem Transatlantischen Dialog 2003 in Düsseldorf.
Der größte Erfolg dieser Jahre war der Börsengang Anfang 2005, bei dem Kofler einen Großteil seiner Aktien verkaufen konnte. Die restlichen Anteile veräußerte er im Juli und August 2007 über die Börse. Am 13. August 2007 wurde bekannt, dass Kofler das Unternehmen zum 31. August 2007 verlässt – aus persönlichen Gründen, wie es damals hieß. Premiere erholte sich unter seiner Führung vom Krisenfall zum börsennotierten Pay-TV-Anbieter.
Vom Medienmanager zum Unternehmer und Investor
Die Kofler Gruppe und Kofler Energies
Nach seinem Abschied von Premiere wechselte Kofler auf die andere Seite des Schreibtischs: Im Oktober 2007 gründete er eine Beteiligungsgruppe für Industrieunternehmen, die Georg Kofler Gruppe, mit der er die Leifeld Metal Spinning GmbH übernahm – einen traditionsreichen Hersteller von Drück- und Metallspinnmaschinen.
Am 26. Mai 2008 gab er den Start der Kofler Energies AG bekannt, eines Unternehmens für Energieeffizienz in Gebäuden. Zuvor hatte er das kleine Frankfurter Unternehmen NyConTec übernommen und Konrad Jerusalem, den Chef der Abteilung Übernahmen und Fusionen, vom Energieversorger RWE abgeworben. Im Mai 2009 übernahm Kofler Energies mehrheitlich die ehemalige Rhein-Ruhr Energie AG (heute Kofler Energies Power). Das Unternehmen entwickelte unter anderem den „Energiesparvertrag“, mit dem Kunden Energieverbrauch und CO2-Ausstoß ihrer Immobilien schrittweise um bis zu 40 Prozent senken können sollten. Kofler Energies positionierte sich als Deutschlands Ingenieurbüro für Energieeffizienz und kooperierte unter anderem mit General Electric bei einem hocheffizienten Hybridkraftwerk in Berlin.
Social Chain: Der Griff nach dem E-Commerce
2014 gründeten Kofler und Judith Williams die Glow Media Group, in der die Investments betreut wurden, die Williams als Jurorin der Vox-Gründershow „Die Höhle der Löwen“ getätigt hatte. Im Frühjahr 2017 sprang Kofler zweimal für Williams als Juror bei „Die Höhle der Löwen“ ein und stieg später als festes Jurymitglied in die Sendung ein – an der Seite von Investoren wie Ralf Dümmel, Carsten Maschmeyer und Dagmar Wöhrl. Seine Auftritte waren geprägt von klaren Analysen und scharfen Urteilen; Millionen Zuschauer kannten ihn fortan als einen der „Löwen“.
Mit The Social Chain AG beteiligte sich Kofler als Investor an einem neuen Vehikel: Im Dezember 2017 formierte sich die Social Chain Group aus den Unternehmen Glow Media Group, Media Chain und Social Chain. Die börsennotierte The Social Chain AG entwickelte unter den „Löwen“ Dr. Georg Kofler und Ralf Dümmel ein Portfolio von rund 10.000 Produkten in den Kategorien Food, Home & Living sowie Beauty & Fitness – darunter die Marken LANDMANN, Deutschlands ältester Grillhersteller, und KoRo. Die Gesellschaft beschäftigte rund 1.000 Mitarbeiter an Standorten in Berlin, London, Manchester, New York und Los Angeles und wurde 2022 als eines der innovativsten mittelständischen Unternehmen Deutschlands ausgezeichnet, wie die Unternehmensmitteilung der Social Chain AG dokumentiert.
Doch der Höhenflug endete abrupt: 2021 kaufte die Social Chain AG für rund 220,5 Millionen Euro die DS Group von Ralf Dümmel – die Übernahme brachte Dümmel in den Vorstand –, doch das stark fremdfinanzierte Wachstum hielt nicht. Im Juli 2023 kündigte Kofler für The Social Chain AG die Insolvenz an. 2023 verließ er auch die Fernsehshow „Die Höhle der Löwen“. 2024 beteiligte er sich laut seinem Rednerprofil bei Expert Marketplace als Gesellschafter und Beiratsmitglied an dem Lebensmittelunternehmen KoRo.
Öffentliches Profil: Meinungsstark und politisch engagiert
Kofler ist längst mehr als ein ehemaliger Senderchef: Er tritt als Keynote-Speaker auf, gibt Interviews und mischt sich in wirtschafts- und medienpolitische Debatten ein. In der „Welt am Sonntag“ bezeichnete er sich selbst als „überzeugten Kapitalisten“. Beim Salzburger Wirtschaftsforum 2023 übte der ehemalige ProSieben-Chef deutliche Kritik an den öffentlich-rechtlichen Sendern und sprach über seine Rolle als Investor und Krisenmanager.
Auch politisch zeigt Kofler klar Flagge: Seit 2015 tätigt er regelmäßig Großspenden an die FDP und die CDU. 2021 spendete er 750.000 Euro an die FDP – nach eigenen Angaben, weil diese Partei „Unternehmer, Gründer und aufstiegsorientierte Menschen“ repräsentiere, und um eine Regierungsbeteiligung der Grünen zu verhindern. Bei der Bundestagswahl 2025 unterstützte er öffentlich sowohl die CDU als auch die FDP.
2021 rückte Kofler zudem als Vertreter des Hauptinvestors Lars Windhorst in den Aufsichtsrat von Hertha BSC ein, wo er für Medien- und Marketingfragen zuständig war. Die Position brachte ihm weitere öffentliche Aufmerksamkeit – nicht zuletzt in den turbulenten Jahren des Fußballclubs.
Fazit
Georg Kofler gehört zu den wenigen deutschen Unternehmern, die eine ganze Branche gleich mehrfach geprägt haben: als Gründer von ProSieben brachte er das private Fernsehen in Deutschland auf Augenhöhe mit den öffentlich-rechtlichen Sendern, als Sanierer von Premiere bewies er, dass sich selbst ein hochverschuldetes Unternehmen zurück in die schwarzen Zahlen führen lässt, und als Investor suchte er in der Energiebranche und im E-Commerce nach dem nächsten Wachstum. Der Weg vom Halbwaise aus Südtirol zum mehrfachen Börsengang-Chef ist eine der markantesten Managerkarrieren der Bundesrepublik.
Zugleich steht Koflers Biografie für die Schattenseiten des schnellen Wachstums: Die Insolvenz der Social Chain AG 2023 und der Abschied aus der „Höhle der Löwen“ markierten das vorläufige Ende seiner E-Commerce-Ambitionen. Doch wer seine Laufbahn kennt, weiß, dass Kofler schon mehrfach nach Rückschlägen neu angefangen hat – und als Unternehmer, Investor und meinungsstarker Debattierer dürfte er der deutschen Wirtschaftsöffentlichkeit noch lange erhalten bleiben.
Häufige Fragen zu Georg Kofler
Wer ist Georg Kofler?
Georg Kofler (* 26. April 1957 in Bruneck, Südtirol) ist ein italienischer Manager, Unternehmer und Investor. Er wurde als Gründungschef von ProSieben (1988–2000) und als Sanierer des Bezahlsenders Premiere (2002–2007) bekannt und war von 2017 bis 2023 Investor in der Vox-Gründershow „Die Höhle der Löwen“. Er ist nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen österreichischen Steuerrechtsprofessor.
Wie alt ist Georg Kofler?
Georg Kofler wurde am 26. April 1957 geboren und ist damit 69 Jahre alt (Stand 2026).
Wodurch wurde Georg Kofler bekannt?
Vor allem durch drei Stationen: den Aufbau von ProSieben vom Start-up zum börsennotierten Medienkonzern, die Sanierung und den Börsengang von Premiere nach der Kirch-Pleite sowie seine Rolle als „Löwe“ in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“, in der er von 2017 bis 2023 als Investor auftrat.
Was ist Kofler Energies?
Die Kofler Energies AG ist das 2008 von Georg Kofler gegründete Unternehmen für Energieeffizienz in Gebäuden. Es bot unter anderem einen „Energiesparvertrag“ an, mit dem Kunden Energieverbrauch und CO2-Ausstoß ihrer Immobilien schrittweise senken konnten, und positionierte sich als Ingenieurbüro für Energieeffizienz.
Warum verließ Georg Kofler „Die Höhle der Löwen“?
Kofler verließ die Vox-Show 2023. Zuvor war er seit 2017 als Juror und Investor dabei. Zu den öffentlich bekannten Hintergründen zählt der Rückzug auch im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Social Chain AG, für die er im Juli 2023 die Insolvenz ankündigte. Genauere persönliche Gründe hat er öffentlich nicht ausführlich dargelegt.
Ist Georg Kofler verheiratet?
Nach öffentlich dokumentierten Angaben war Kofler mit der ehemaligen 9Live-Geschäftsführerin Christiane zu Salm liiert und verheiratet (Trennung 2018, Scheidung 2023). Im Oktober 2024 heiratete er die Unternehmerin Isabel Grupp.
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